Einmal hatte ich mir eine Rede von Paolo Bonolis angehört, die auf der Bühne der TED unter der Regie von der Universität LUISS vorgetragen wurde. Der Beitrag ist vom 11. Juni 2015 und Bonolis beginnt mit seiner Argumentation bei einem Buch, nämlich „Answer“ von Fredric Brown. Darin geht es um einige Wissenschaftler, die herausfinden wollten, ob die Frage „gibt es einen Gott“ zu bejahen sei. Um dies zu verwirklichen, bauten sie immer größere Rechner, die zunehmend stärker und „mehr super“ waren. Nach einer Weile existierten gar keine Techniker mehr, die den stärksten Rechner bauen konnten. So, endlich und in dem Abgrund der Stille, kam die lang angestrebte Antwort:
„Gibt es einen Gott? Jetzt ja.“
Bonolis wechselt dann zum Thema des induktiven oder deduktiven Wissens und der unerträglichen Schnelligkeit, zu der die Maschinen uns zwingen. Zum Schluss erfolgt ein Zitat von Guy Debord: „Die Menschen ähneln eher ihrer Zeit als ihren Vätern.”
Genau hier stolpere ich mit meinem fließenden Denken und überlege, wie der technische Fortschritt uns gerade in eine Richtung schiebt, die wir noch nicht klar sehen können. Vielleicht werden wir das, was gerade geschieht, weder definieren noch mit Worten beschreiben, die einen Bezug zum Realen haben.
Ich schrieb „außerirdische Intelligenz“ nicht einfach so in den Titel, las nämlich einen Satz von jemandem auf X, der genau dies schilderte.
Neulich hat OpenAI – die KI für den Mann auf der Straße (for the people), die den Gang an die Börse wagt (an dieser Stelle wird gezwinkert!) – auf der gleichen Benutzeroberfläche veröffentlicht, dass ein bisher ungelöstes mathematisches Problem erklommen werden konnte. Ganz schön.
Ich werde genau diesen Text auf Deutsch und dessen englischem Zwilling der Maschine und deren klaren Augen übergeben. Bewusst wird es mir sein, dass ich mit einem mächtigen Instrument interagieren darf, das meinen Befehl ausführen wird, den Text zu lesen und mir zu sagen, ob ich etwas übersehen habe. Dies wird mir verstehen helfen, wie ich in dem Fall meine Übersetzungen strukturiere – auch künftig. Noch ein dünner schwarzer Schleier wird auf diese Zeichen geklebt, sodass das Programm deren Wirkung zu mildern scheint, weil mein Schreibstil zum Beispiel redundant ist. Am Ende des Tages wird die Maschine tun, was Maschinen tun, nämlich alles zu den Standardparametern zurückzuführen. Dies wird sie zumindest versuchen und indes meine Worte einnehmen, um die eigenen Speicher zu füttern.
Also ja, die Menschen ähneln eher ihrer Zeit als ihren Vätern … In einem Zeitalter, in dem Segen wie Saaten aus diesem verrotteten Kapitalismus sprießen und wir beispielsweise den synchronen Zugang zu den Weltereignissen dabei geschenkt bekommen, besteht die Frage aller Fragen denn nicht darin, zu überlegen, was zur Hölle mit uns passieren wird; sie besteht gleichwohl nicht darin, Videos zu dem neuen Feudalismus der „Techblase“ zu drehen oder gar den Staat mit Erwartungen sowie „dem universellen Einkommen“ zu beauftragen.
Die Frage aller Fragen geht denn in zwei unterschiedliche Richtungen:
Wie wenden wir all das Erreichte so, dass eine Gesellschaft entsteht, die auf sich selbst verlassen kann? Wie – überhaupt – wählen wir ein geeignetes Vokabular, damit die Menschheit konkret und nachhaltig voranschreitet?
Dies, weil mit einer kommenden sich auf großen Sprachmodellen stützenden künstlichen allgemeinen Intelligenz die dicken Feudalherren keine neuen Worte bald weitergeben können werden.
Markus Gabriel schreibt: „Was in einer Hinsicht Verbesserung ist, kann in anderen Hinsichten Verschlechterung sein.“ Wenn wir uns selbst bei der Nutzung dieser Technologie begrenzen, sodass wir die Perfektion umgehen und konkret im Rahmen der Herausforderungen unserer Zeit im Vordergrund stehen, dann ist dieser der gute Weg zum „Neustart des Systems“.
Wohlgemerkt machen wir all das und sind uns dessen bewusst, dass das, was ich, du, sie und alle Menschen schreiben, ein ganz neuer Atemzug ist. Warum? Weil in dem Text, an dem ich gerade arbeite, „Rückenwind“ genau mit „Rückenwind“ ins Italienische übersetzt wird. Aber ich – im Zuge meiner individuellen menschlichen Erfahrung – denke an einen anderen Begriff. Das sage ich nicht, weder dir noch dem jeweiligen LLM-Modell.
Ihr werdet auf mich warten müssen und über die Worte von Han Kang nachdenken. So darf ich die aus dem Italienischen von Milena Zemira Ciccimarra vortragen:
<<Wie schwierig ist es denn für uns Menschen, menschlich zu bleiben, egal was passiert? In der dunkelsten Zeit fragt uns die Sprache, woraus wir bestehen. Sie hält den Punkt, dass die vielen Perspektiven der Menschen und Lebewesen auf dieser Erde unseres Vorstellungsvermögens bedürfen; sie verbindet uns alle miteinander. Die von der Sprache gestiftete Literatur hat notwendigerweise eine gewisse körperliche Wärme in sich. Ebenfalls notwendigerweise sind Bücherlesen und Literaturschreiben ein Akt, der sich dem, was das Vernichten vom Leben angeht, querstellt.>>












































